Bauer sein … Gedanken

„Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.“ – Tagore

Es ist die Arbeit in und mit der Natur, die uns erfahren lässt, dass wir mit unserem Willen, mit unserer Kreativität und Schaffenskraft doch “nur” Teil einer größeren Ordnung sind.
Der Mensch erfährt sich eingebettet in das Zusammenspiel der natürlichen Kräfte, er kann gestalten und beeinflussen, und muss sich doch immer in größere Abläufe einfügen.

Der Mensch erfährt „biologisch“ Ursache und Wirkung.
Das ist es, was bäuerliche Arbeit seit jeher ausmacht.

… am Jörg-Hof

Das Arbeits- und Einkommensgefüge bei uns am Jörg-Hof hat sich komplett gewandelt. Über Jahrzehnte drehte sich alles um die Zucht und Haltung von Milchkühen. Die Milch wurde an größere Molkereien verkauft, seit 2009 in Bio-Qualität. Der Milchverkauf von 50 Milchkühen, der Verkauf von Kälbern und Schlachttieren sicherten die Existenz des Hofes. Wie in fast allen landwirtschaftlichen Betrieben leisteten auch bei uns die staatlichen Fördergelder einen entscheidenden Einkommensbeitrag.

Mit dem Einstieg in den solidarischen Gemüseanbau 2016 begann der langsame Ausstieg aus der Milchkuhhaltung, im Frühjahr 2018 haben wir den Milchverkauf komplett eingestellt.
Den Großteil unseres Einkommens erzielen wir seitdem aus dem solidarischen Anbau von Gemüse für und mit über 400 Menschen auf knapp einem Hektar Ackerland.

Das Gras unserer Grünlandflächen wird größtenteils von unserer Ammenkuhherde „verwertet“.
Das Fleisch der Tiere verkaufen wir, soweit es die Nachfrage erlaubt, direkt an den Endkunden. Staatliche Fördergelder ergänzen weiterhin unser Einkommen.
Durch die „Verdichtung“ von Ertrag und Wertschöpfung auf knapp einem Hektar Gemüseanbau können wir es uns heute „leisten“, weniger Kühe und Kälber zu halten und unser Grasland extensiver zu nutzen. Wir können damit die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren auf unseren Wiesen entscheidend fördern und durch gesteuerte Beweidung Bodenfruchtbarkeit aufbauen.
Durch den Ausstieg aus der Milchkuhhaltung können die Kälber wieder bei ihren Müttern leben, die homogene Herde verbringt die meiste Zeit des Jahres auf der Weide. Den klimapositiven Effekt dieser Betriebsumstellung unterstützen wir durch den Einsatz von Pflanzenkohle und Gesteinsmehl im Betrieb und den Einsatz von Mulch auf unseren Gemüseflächen.

… global

Landwirtschaftliche Arbeit findet seit Jahrzehnten in einem enormen Spannungsfeld statt. Weltweit schwinden die Arten bei Tieren und Pflanzen, fruchtbare Böden degenerieren, Nährstoffeinträge in Grund- und Oberflächenwasser kippen Ökosysteme, die Nahrungsmittelerzeugung trägt einen großen Teil zum Klimaproblem bei und nicht zuletzt haben sich viele Praktiken in der Tierhaltung ethisch fragwürdig entwickelt. Auf der anderen Seite stehen viele Bauern unter einem enormen wirtschaftlichen Druck; globale Warenströme, die Interessen der Landwirtschafts- und Nahrungsmittelindustrie und politische Einflussnahmen drücken die Erlöse, fordern schnelle Effizienzsteigerung, um die Existenz des Betriebes zu sichern.

… auf neuen Wegen

Wir müssen uns wieder klar machen, dass wir als Menschen auf ein entsprechend funktionierendes biologisches System angewiesen sind, wir sind Teil davon.
Das persönlich zu erkennen zieht Verantwortung nach sich.
Gerne darf sie in Gemeinschaft und mit Freude wahrgenommen werden.


„Die Welt gehört dem, der in ihr mit Heiterkeit nach hohen Zielen wandert“

Ralph Waldo Emerson